Computerhorror

Es soll ja Menschen geben, die sowas gerne machen: Computer aufschrauben, neue Teile einbauen, zuschrauben und gucken, was passiert. Mein Chef gehört dazu.

Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr, in der die meisten Menschen in Deutschland ihre Auszeit genießen, kann in einem kleinen Unternehmen, das seine Goldstücke im Internet verdient, sehr stressig werden. Seit Jahren stand ein Komplettbackup, ein Soft- und Hardwareupgrade aus und wurde immer wieder hinausgezögert. Ende 2016 fiel dann der Hammer: Über 5 Terabyte mussten gesichert, Betriebssysteme aktualisiert, Hardware erneuert werden. Vor zwei Wochen gingen wir es an. Die Nachbeben sind bis heute spürbar: Netzteile, alte Hauptplatinen, Kabel, Netzwerkkarten, Scheinschrauben, die zwischen Bürostuhlstreben klemmen, sich dann aber als harmlose Schmuckstücke á la Rangabzeichen von Enterprise herausstellen, Arbeitsspeicher, Festplatten ... die Liste ließe sich noch weiter fortsetzen ... das alles wucherte und wuchs und bildete ein Hardwaresmegma, in dem ich mich heute zu meinem Arbeitsplatz wie zu einer havarierten Forschungsstation durchlaviere.

ABER: Die Sicherungen sind komplettiert, neue Betriebssysteme aufgespielt, ein bisher ohne schlimme Folgen gebliebenes Virtualisierungsexperiement für den Entwicklungsserver ist umgesetzt. Leider spielte die Hardware nicht so mit, wie es geplant war: Ursprünglich sollte es vor allem Startschwierigkeiten der physikalischen Webservermaschine beheben, die gerne mal nach mehreren Stunden Auszeit nicht mehr starten wollte. Das ist uns nicht gelungen. Dafür wurde die Fileservermaschine zu einem Monstercomputer hochgerüstet, was ich bis jetzt noch nicht ganz verstehe, denn sie soll doch eigentlich nur Dateien zur Verfügung stellen und speichern und keine Grenzberechnungen durchführen. Verschenkte Kapazität!

Fazit ist, dass es wohl künftig besser ist, gleich ein Upgradekit bei Conrad zu kaufen als veraltete Systeme nach und nach in Einzelteilen aufzurüsten. Jedenfalls ist das die Meinung eines Anwendungsentwicklers. Hardwarejunkies mögen darüber anders denken.

Posted on Jan 10, 2017